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26.02.2021

TAUIRA PATTERSON: "STERBT WIE HAMMERHAIE!"

Der Neuseeländer Tauira Patterson coacht seit letztem Sommer die Rugby-LNA-Mannschaft von GC  – aus Zufall, denn fast wäre er in Holland gelandet. An seinem Ehrgeiz, die Hoppers zum Meister zu trimmen, ändert das nichts.

Viel weiter weg könnte Tauira Patterson gerade nicht sein. Der 27-jährige Rugby-Trainer hält sich gerade in Invercargill auf, seiner Heimatstadt, die am untersten Ende von Neuseeland liegt – rund 18'500 Kilometer von Zürich entfernt. Hier besucht er Familie und Freunde. Anfang Jahr reiste er an, bis April will er bleiben. Corona-Einschränkungen? Sie gibt es, aber sie sind erträglich. «Wer einreist, muss in eine zweiwöchige Quarantäne – und die kann zäh sein. Sonst aber leben wir ziemlich normal», sagt Patterson, auch wenn in Auckland zwischendurch mal wieder der Lockdown verhängt wurde. Die Tracing-App wirkt, im Flugzeug gilt Maskenpflicht. Bars, Museen, Kinos, Sportstätten, sie alle darf Patterson uneingeschränkt besuchen.

Gleichgültig jedoch, wo er steckt und was er tut – seine Gedanken kreisen auch dieser Tage um zweierlei: Rugby und den Grasshopper Club. Patterson trainiert das LNA-Team seit letztem Sommer; davor schon war er Spieler und Assistenztrainer. Er tut es mit brennendem Ehrgeiz und einem klaren Plan. Er sagt: «Ich will unseren Kader vergrössern, mit den Spielern an den Basics feilen. Und ich will der Mannschaft neue Spielstrategien beibringen, die uns helfen, Meister zu werden.» 2020 brachte Corona das GC Rugby-Team um die Verteidigung des Titels von 2019. «Die Playoffs sind unser Mindestziel. Wenn wir das verpassen, zweifle ich ernsthaft an meinen Fähigkeiten als Trainer», sagt er und lacht.

Patterson weiss, wovon er spricht, das belegt seine Vita. «Die meisten Neuseeländer nehmen schon als kleine Kids einen Rugby-Ball in die Hand. Ich war da keine Ausnahme», sagte er. Er spielte in seiner Heimat als Junior und Aktiver für die Amateurclubs Marist Rugby Club und Zingari Richmond. Und früh schon wurde er animiert, Juniorenteams zu coachen. Basketball, Hockey oder die Baseball-Variante Softball betrieb er zwar auch – das Rugby aber trägt er im Herzen.

Dass Patterson nun ein Hopper ist, hat viel mit Zufall zu tun. Begonnen hat es im Frühjahr 2017 mit Wunsch von Patterson und seiner Frau Jessica, fremde Kulturen zu erkunden, Sprachen zu lernen und sich zum Schluss irgendwo in Europa niederzulassen. Er sagt: «Wir wollten die Schönheit der Welt entdecken.»

Pattersons Stolz auf Wynton Rufer

Für den Zielort stellten sie Kriterien auf. Das wichtigste: Es musste ein Land sein, in dem Englisch nicht Amtssprache ist. «Wir wären fast in Holland gelandet», erzählt Patterson. Und das aus naheliegenden Gründen: Jessicas Eltern sind Holländer. Am Ende wurde es die Schweiz. Jessica sah ein Stelleninserat des Universitätsspitals Zürich, das eine Strahlentherapeutin suchte – perfekt! «Und auf Google fanden wir heraus, dass in der Schweiz Englisch keine Amtssprache ist», sagt er schmunzelnd.

Im April 2018 landeten die beiden in Zürich. Und schon einen Tag nach der Landung lud ein alter Schulfreund, der für GC spielte, Patterson zum Training ein. Der Rest ist Geschichte, wie er sagt.

Von GC übrigens, gibt er zu, hatte er vor seiner Ankunft in Zürich noch nie etwas gehört – auch nicht von Wynton Rufer, dem früheren meisterlichen Fussballer. «Nun aber weiss ich, wer er ist. Und ich finde es grossartig, dass ein Neuseeländer eine solche Karriere gemacht hat», sagt Patterson.

Er selbst spielte ein Jahr lang für die LNA-Mannschaft der Hoppers und half auch danach immer wieder als Aktiver aus. Das Coaching empfand er jedoch bald als grösseren Reiz: zunächst als Assistenztrainer, nun als Chefcoach. Hauptberuflich nimmt der gelernte Elektro-Installateur derzeit Aufträge für die Reinigung elektrischer Schalttafeln entgegen.

Und was Patterson als langjähriger Spieler und glühender Fan der All-Backs in sich trägt, alles an Professionalität und Hingabe – das will er seinen GC Spielern eintrommeln. Er fasst seine Wertvorstellungen in drei Sprichwörter der Maori, der neuseeländischen Ureinwohner. Frei übersetzt heissen sie erstens: «Stirb nicht wie eine Krake, stirb wie ein Hammerhai.» Zweitens: «Mit deinem Essenskorb und meinem Essenskorb werden die Menschen gedeihen.» Drittens: «Verfolge deine Leidenschaft, bleib wissbegierig und hartnäckig und lass dich von Hindernissen beeinflussen.» Kurz: Patterson will mutige, lernwillige und zähe Teamplayer. Er selber sagt: «Ich weiss schon, dass das jeder Trainer will.» Und doch muss der erfolgsgetriebene Trainer all dies immer wieder einfordern, um ans Ziel zu kommen.

Gerne würde er mehr erzählen über sein Team und dessen Fortschritte – wäre nicht das Kontaktverbot, das sein Team seit Oktober am Spielen hindert und ihn in seiner Arbeit. Derzeit trainieren seine Spieler individuell. Die Aussicht? Düster. Sechs Wochen nach Aufhebung des Kontaktverbots geht es mit Wettkämpfen weiter – ob in der Meisterschaft oder zunächst mit Freundschaftsspielen, ist offen. Geduld und Zähigkeit sind gefragt. Nur gut, kennen Pattersons Spieler bereits die Sprichwörter der Maori.

Michael Schifferle